Ad-hoc Gruppe 36: Korruption als Bestandteil der gesellschaftlichen Natur? Theoretische und empirische Betrachtungen zum Korruptionsphänomen in westlichen und asiatischen Gesellschaften
Organisation: Dr. Guido Mehlkop, PD Dr. Peter Graeff (TU Dresden)
Korruption ist ein ubiquitäres Phänomen, dessen notwendiges Auftretenskriterium mit den öffentlichen Positionen verbunden ist, deren Machtressourcen von den Amtsträgern zu korrupten Geschäften verwendet werden können. Dieses Phänomen findet sich in jeder modernen Gesellschaft, es wird auch gleichermaßen in jeder Gesellschaft moralisch abgelehnt und mit Sanktionen versehen. Zwar kann man aus der Tatsache der allgemeinen Verbreitung nicht schlussfolgern, dass Korruption eine gesellschaftlich natürliche Erscheinung ist. Korrupte Transaktionen besitzen jedoch Charakteristika, die mehr oder weniger Teil der institutionellen und sozialen Rahmenbedingungen einer Gesellschaft sein können. Wendet man den Begriff der (gesellschaftlichen) „Natur“ auf die Institutionen und die sozialen Verhältnisse an, dann kann man durchaus von natürlich auftretender - im Sinne von erwartbarer - Korruption sprechen.
Die sozialen Aspekte, die vor allem in soziologischen Betrachtungen des Korruptionsphänomens im Vordergrund stehen, weisen auf typische (Norm-) Konflikte hin, welche selbst zum Auslösen von korrupten Transaktionen werden können. Wenn Familien- oder Freundesbeziehungen durch kulturelle Verankerung grundsätzlich höher als universalistische Regeln gewertet werden, ist das Auftreten von Korruption nahezu unvermeidlich. Beispiele dafür finden sich gerade in asiatischen Staaten (und insbesondere in China), wo verwandtschaftliche oder freundschaftliche Netze (Guan-Chi) seit Jahrtausenden zum Alltag gehören und in dieser natürlichen gesellschaftlichen Verankerung zur Korruption beitragen. Damit sind korrupte Transaktionen als eine Art „negatives“ Sozialkapital Teil der gesellschaftlichen Realität und können nicht vollständig abgestellt werden.
Auf der Mikroebene kann das Auseinanderklaffen von universalistischen und partikularistischen Normen mit Vorteilsstreben einhergehen, so dass die Verletzungen universalistischer Grundsätze zugunsten partikularistischer Interessen in Kauf genommen werden. Individuen haben meist deshalb keine Probleme, korrupte Geschäfte einzugehen, denn diese Transaktionen beruhen (nach Neckel 1995, 9) „[…] auf Vorgängen, die einfach, allgegenwärtig und vertraut sind, weil das Soziale selbst aus ihnen besteht.“
Die Ad-Hoc Gruppe hat zum Ziel, mit den Beiträgen der Vortragenden und der Diskussion das Spektrum ausleuchten, in dem Korruption als immanent in der „Natur“ der Gesellschaft angesehen werden kann.
Vorträge
Korruptionsprävention und -bekämpfung in Deutschland
Britta Bannenberg
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Corruption or Favor? A Cultural Understanding of Corruption in the Chinese Context.
Yih-teen Lee
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Korruption – das Wiedereintauchen der „alten“ Welt in die Moderne?
Karl-Hein Saurwein
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Die Erfassung und Verbreitung von Korruptionsnormen.
Peter Graeff
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Korruption im Deutschen Bundestag. Der Einfluss von Wählern und Parteien auf die Korruptionsneigung der Abgeordneten.
Philip Manow
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Datum/Zeit: 11.10.06, 14:15 Uhr
Ort/Raum: Nora-Platiel-Str. 9 / Raum 0402













