Ad-hoc Gruppe 70: Posttraditionale Gemeinschaften. Theoretische Bestimmungen und ethnographische Deutungen

Organisation: Prof. Dr. Anne Honer (Fulda), Dr. Michaela Pfadenhauer (Dortmund)

Seit einiger Zeit entwickelt sich eine hermeneutisch-wissenssoziologische, auf die Idee der „kleinen sozialen Lebenswelten“ (Benita Luckmann, Anne Honer), der „social worlds“ (Anselm Strauss), der „sozialen Sinnwelten“ (Ronald Hitzler, Hans-Georg Soeffner) und der „Kommunikationskulturen“ (Hubert Knoblauch) rekurrierende Theorie und Ethnografie posttraditionaler Vergemeinschaftungen, deren empirischer Schwerpunkt bislang auf dem Phänomen der (Jugend-)Szenen liegt. Dazu nimmt dieser Ansatz Anleihen auf u.a. bei den (postmodernistischen) Zeitdiagnosen von Zygmunt Bauman, von Michel Maffesoli, von Scott Lash und von Ulrich Beck und Peter Gross.
            Posttraditionale Vergemein­schaf­tungen in diesem Verstande konstituieren sich typischerweise dadurch, dass individuali­sierte Akteure sich aufgrund kon­tin­genter Ent­schei­dungen für eine zeitweilige Mitglied­schaft freiwillig in soziale Ag­glome­ra­tionen und deren Geselligkeiten einbinden, die wesentlich durch nicht nur distinktes, sondern durch dezidiert distinktives Wir-Bewusstsein stabilisiert sind (Hitzler/Michaela Pfadenhauer). Diese Form der Vergemeinschaftung besteht folglich wesentlich aus der Konstruktion einer ge­meinsamen ‚Außen­seite’. Dieser Aspekt von Vergemeinschaftung ist als solcher natürlich keineswegs neu: Die Korrelation von Integration und Distink­tion, von Inklusion und Exklu­sion, das Verhältnis von in-group und out-group sind viel­mehr bekanntlich zentrale Themen einer traditions­reichen soziologi­schen Be­schäf­tigung mit Grup­pen- und Gemein­schaftsbildung (William Graham Sumner).
            Wesentlich bedeutsamer erscheint demgegenüber denn auch die aus der Dia­lek­tik von Inte­gration und Distink­tion unter Individualisie­rungsbedingungen resultierende strukturelle Prekarität dieser Ver­gemeinschaf­tungsform v.a. hinsichtlich der Frage, ob und inwieweit aus den kon­stitutiven Akten dieser Formen der Vergemein­schaf­tung heraus sich (relativ dauerhafte) Gemein­schaften entwickeln und stabilisieren (lassen). Denn um eine wie auch immer geartete wechselseitige Verläss­lichkeit zu sichern, müssen ja bekanntlich prinzipiell die als gemein­sam  bzw. gemeinschaftlich veranschlagten Interessen auf Dauer gestellt, transfor­miert oder mythisiert werden (Peter L. Berger/Thomas Luckmann).
          Festzustellen ist, dass die Bedingungen für als „posttraditional’ etikettierbare Formen von Verge­meinschaf­tung nicht etwa vor und auch nicht etwa nach, sondern dass sie innerhalb der Vollzugsrouti­nen moderner Gesell­schaftlichkeit entstehen, und dass sie nicht aus konstellativen sozia­len Zwangs­läufigkeiten, son­dern weit eher aus den Vermutungen der je teilhabe-interessierten Individuen resultieren, sie könnten be­stimmten, begrenzten Gemeinsamkeiten der Realisierung je eigener Vor­stellungen bzw. Interessen förderlich sein.
 

Vorträge

Variation, Selektion, Stabilisierung – traditionale Gemeinschaften, soziobiologisch reinterpretiert
Clemens Albrecht

Medien und deterritoriale Vergemeinschaftung
Andreas Hepp
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Die Vergemeinschaftung der Hedonisten
Ronald Hitzler
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Public Viewing oder: Unterschiedslosigkeit und kollektive Gefühle
Matthias Junge
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Die Auratisierung der Präsenz
Hubert Knoblauch
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Egozentrierte Netzwerke. Mitglieds- und Bezugsgruppen als Vergemeinschaftungsform in der Mediengesellschaft
Friedrich Krotz
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Techno 2006 oder: Lassen sich posttraditionale Gemeinschaften auf Dauer stellen?
Jo Reichertz

Medien, Branding und Vergemeinschaftung
Gabriele Siegert
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Datum/Zeit: 11.10.06, 14:15 Uhr
Ort/Raum: Arnold-Bode-Str. 2 / Raum 0409


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