Expertisierung quasi-natürlicher Verhaltensweisen (Teil I)

Organisation und Moderation: Dr. Michaela Pfadenhauer (Dortmund)
Unter ‚quasi-natürlichen Verhaltensweisen’ sollen jene selbstverständlichen Arten und Weisen gemeint sein, mit denen ganz normale Menschen herkömmlicher Weise für ihre – von ihnen selber so verstandenen – eigenen Belange Sorge tragen. ‚Expertisierung’ impliziert demgegenüber, dass immer mehr der entsprechenden alltäglichen Handlungsgewohnheiten und Wissensbestände von je als einschlägig geltenden bzw. sich Geltung verschaffenden Experten problematisiert und die bis anhin fraglosen Selbstzuständigkeiten der ganz normalen Menschen in Frage gestellt werden. Dergestalt resultiert aus Prozessen der Expertisierung quasi-natürlicher Verhaltensweisen in der Regel, dass ganz normale Menschen sich nicht mehr zutrauen, zu tun, was sie für ‚richtig’ halten bzw. das, was sie bislang gewohnheitsmäßig getan haben, für nicht (mehr) ‚richtig’ zu halten. Sie sehen sich vielmehr dazu veranlasst, Entscheidungen in privaten Belangen und entlang existenzieller Lebensfragen im Rückgriff auf Experten(-wissen) zu treffen, wobei die Frage, „wer diese Entscheidungen trifft und wie sie getroffen werden”, mit Anthony Giddens gesprochen, „im wesentlichen eine Frage der Machtverteilung“ ist und zum Gegenstand von „life politics“ wird.

  • Die Beiträge sollen empirisch, historisch und/oder theoretisch eruieren,- wie solche Expertisierungsprozesse en detail (d.h. situativ und interaktiv) und/oder en gros (d.h. über politische Kampagnen und öffentliche Diskurse) verlaufen,
    - inwieweit Expertisierungsprozesse ‚Hand in Hand‘ mit Professionalisierungsprozessen gehen,
    - welche Anteile Professionen und professionalisierungsbedachte Berufe in welchen Formen daran haben,
    - welche neuen (Berufs-)‚Koalitionen‘ in der Bearbeitung existentieller Fragen und Risiken entstehen
    - welcherart – gewollte und ungewollte – Konsequenzen sich für das Verhältnis zwischen (den) Experten und (ihren) Laien ergeben.

Als mögliche ‚materiale Felder’ seien hierzu lediglich exemplarisch genannt: Schwangerschaft, Kindererziehung, Pubertät, Sexualität, Paarbeziehung, Ernährung, Gesundheit und Krankheit, Sterben und Tod…

Vorträge


Der Streit um das seelische Leiden und der Aufstieg der Psychotherapie. Ein feldbezogener Ansatz
Gaia di Luzio
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Professionelle Macht und Nutzerbeteiligung im Gesundheitssystem: neue Arrangements zwischen Paternalismus und Partizipation
Ellen Kuhlmann
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Professionalisierung der Gesundheitsselbsthilfe
Bernhard Borgetto / Christine Kirchner
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Zur Professionalisierung der SozialmanagerInnen. Neue Kunden (Klienten) - Handlungskompetenzen - politische Anreize.
Andreas Langer
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Paradoxe Folgen der Professionalisierung: das Beispiel der Wissenschaftler
Andreas Franzmann

Datum/Zeit: 10.10.06, 14:15 Uhr
Ort/Raum: Nora-Platiel-Str. 6 / Raum 0211


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