Abschluss
Sozialität von Mensch und Natur
Vor mehr als dreißig Jahren erhob Konrad Lorenz – »den fortschreitenden Verfall unserer Kultur« befürchtend – die »kategorische Förderung […], Kultur und Geist mit der Fragestellung der medizinischen Wissenschaft zu untersuchen«, wobei er, der Humanmediziner, der seinen Forschungsschwerpunkt zunehmend in der von ihm mitbegründeten Verhaltensforschung fand, unter ›Kultur‹ weit mehr verstand als die bloße Verlängerung jener protokulturellen Phänomene, die sich bei Primaten beobachten lassen. Was er »Fulguration des menschlichen Geistes« nannte und als einen spezifischen Evolutionsschritt begriff, schuf, so Lorenz, mit dem »geistigen Leben des Menschen eine neue Art von Leben«, einen »Hiatus«, der »zwischen den höchsten Tieren und den Menschen klafft«. Seitdem ist einerseits die empirische Forschung weiter vorangeschritten, während andererseits die interdisziplinären Kontroversen im Grenzbereich von Verhaltensforschung und Soziologie abgeebbt sind. Geblieben sind dennoch jene entscheidenden Fragen, die sowohl von der Philosophischen Anthropologie (Scheler, Plessner, Gehlen) und der Soziologie als auch von der Verhaltungsforschung im Hinblick auf die ›Natur‹ und die »Grenzen des Sozialen« (Luckmann) gestellt wurden. Der Kasseler Soziologiekongress nimmt mit seiner Themenstellung dezidiert diese interdisziplinäre Diskussion wieder auf und stellt die Schlussdiskussion des Kongresses bewusst in diesen theoretischen Zusammenhang.
Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner
Universität Konstanz, Sozialwissenschaftliche Fakultät
N.N.
Datum/Zeit: 13.10.06, 12:00 Uhr
Ort/Raum: Diagonale 1 / Hörsaal I













